Freitag, 8. Januar 2016

[Rezension] Mathias Malzieu – Der kleinste Kuss der Welt

Seitenanzahl: 126
Preis: 12,99 €
Kaufen: Amazon, Thalia


Ich hatte den kleinsten Kuss der Welt im Théâtre du Renard verloren. Er war mir mitten in der Nacht beim Tanzen von den Lippen geglitten, als mein Blick auf ein blaues Petticoatkleid mit großen weißen Tupfen fiel. Anmut, Sinnlichkeit und Verlockung. Ein Hauch von Geheimnis. Immer, wenn ich mich ihr nähern wollte, entwischte sie mir. Nach einem getänzelten Slalom stand ich endlich der Frau gegenüber, die mich magnetisierte. Ich brachte kein Wort heraus. Aus Angst, die Flut könnte sie abermals davonspülen, küsste ich sie. Der Anflug eines Kurzschlusses. Wir berührten einander kaum. Der kleinste Kuss der Welt. Ein grelles Licht, und dann nichts. Sie war fort. Als wäre ihr Mund ein magischer Schalter – wenn man ihn umlegt, löst sie sich in Luft auf. Ich hörte sie davongehen, hörte ihre Schritte verklingen. Sie war also gar nicht verschwunden, sie war bloß unsichtbar geworden! Wir hatten einander den kleinsten Kuss der Welt gegeben, und sie hatte sich verflüchtigt, abrupt wie ein Stromausfall. Ich musste sie unbedingt wiederfinden.


Der kleinste je verzeichnete Kuss.


Ich habe „Die Mechanik des Herzens“ von Mathias Malzieu geliebt, deshalb habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, doch schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass „Der kleinste Kuss der Welt“ dieser wundervolle Zauber fehlt.

Zwar ist der Schreibstil von Mathias Malzieu gewohnt poetisch, verspielt und malerisch, aber die Charaktere und auch die Geschichte besitzen nicht diese wundervolle Tiefsinnigkeit und den Glauben an die einzig wahre große Liebe.

Die Handlung ist leider auch etwas vorhersehbar, sodass das Ende des Buches für mich keine Überraschung war.


„Der kleinste Kuss der Welt“ überzeugt durch Mathias Malzieus poetischen Schreibstil, kann aber leider nicht mit „Die Mechanik des Herzens“ mithalten.

 

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