Mittwoch, 8. Juli 2015

[Rezension] Charlotte Rogan – In einem Boot

Seitenanzahl: 336
Preis: 18,95 €
Kaufen: Amazon, Thalia


 Damit die einen überleben, müssen die anderen sterben. Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot. Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen. Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot? Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.


 Die Anwälte waren schockiert über mein Benehmen.


 „In einem Boot“ von Charlotte Rogan stand schon lange auf meinem Wunschzettel, da mich das Cover und der Klappentext vom ersten Moment an begeisterten als ich das Buch entdeckte. Ich rechnete mit einer Geschichte, in der es gilt seine Menschlichkeit in einer schier ausweglosen Situation zu bewahren und mit dem blanken Überlebenswillen abzuwägen.
Genau darum geht es auch in dem Roman, aber auch noch um so viel mehr. Geschrieben ist alles aus der Sicht von Protagonistin Grace, die als frisch verheiratete Frau mit ihrem Mann das Schiff betreten hat. Als es sinkt, besorgt der Mann für sie einen Platz in den Rettungsbooten, während er selbst an Bord bleibt und sein Schicksal somit ungewiss ist.
Im Verlauf der Geschichte offenbart Grace, dass viel mehr hinter ihr steckt, als man zu Anfang vermuten würde. Sie zeigt Charakterzüge, die mir nicht symphytisch waren, aber durchaus zu ihrer Situation gepasst haben. Trotzdem bekommt das Gefühl, dass sie nie ehrlich ist, nicht einmal sich selbst gegenüber. Sie spielt die Rolle der wehrlosen, nichts wissenden, unschuldigen und durchweg braven Frau wie es zu der Zeit üblich war.
Auch wenn ich die Erzählungen über Graces Hintergrund interessant fand, haben sie etwas meine Erwartung an das Buch gestört. Ich hätte mir oft mehr Action im Handlungszeitraum gewünscht und weniger Erzählungen über die Vergangenheit. „In einem Boot“ ist für mich weniger ein Thriller oder Abenteuerroman als mehr die persönliche Zeitgeschichte einer Frau, die für ein besseres Leben gekämpft hat.


„In einem Boot“ von Charlotte Rogan ist ein guter Roman, der mich jedoch durch eine Längen in der Handlung nicht zu jeder Zeit fesseln konnte. 


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