Freitag, 24. Januar 2014

Ausschnitt aus "Die Verlorenen"

„Verstehe ich das richtig? Ist es wirklich der Wille der Führungsebene, unschuldige und unwissende Menschen ihrem sicheren Tod zu überlassen?“ Ich habe meiner Frage mit Absicht diese Schärfe verliehen. Sie soll den anderen Legionsführern die unermessliche Grausamkeit bewusst machen. O300s Wangen färben sich rot. „Es ist gewiss nicht unser Wille!“, schimpft sie wütend. „Die Rebellen zwingen uns dazu. Sie lassen uns keine andere Wahl.“ „Wir haben immer eine Wahl.“ Die Blicke der anderen jagen zwischen mir und der Führungsebene hin und her. „Ach ja? Und wie sieht deine Lösung des Problems aus? Gerade du als Flüchtling der westlichen Legion solltest am besten über die Grausamkeit der Rebellen Bescheid wissen.“ „Das Einzige, was ich weiß, ist, dass die Rebellen den Tod keines einzigen Menschen wollten. Alles, wofür sie kämpfen, ist ihre Freiheit. Der Tod der Bewohner der Sicherheitszonen aus der nördlichen und westlichen Legion ist die Schuld der Zentrallegion. Unser System der selbstständigen Zerstörung hat das Leben dieser Menschen auf dem Gewissen und nicht die Rebellen.“ Es ertönen laute Gegenrufe der Empörung. „Das beweist doch alleine, dass ihr auch jetzt bereit seid, das Leben dieser Menschen zu opfern.“ Der Widerspruch der anderen ist nun so laut, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehe. A350 zerrt mich mit Leibeskräften von dem Mikrophon weg. „Sei endlich still“, zischt sie mir sowohl wütend als auch panisch ins Ohr. „Verrat!“, schreit es von weit oben aus dem Konferenzsaal. Vielleicht bin ich zu weit gegangen, aber zumindest bin ich so den Stein, der auf meinem Herzen lastete, losgeworden. Es war die Wahrheit und das Richtige und das ist alles, was für mich zählt. Wenn sie mich dafür nun wegsperren wollen, bitte!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen